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Jetzt aber viel Spaß mit Nik & Yara!

 

– Kapitel 1 –

Nik Gierig sauge ich die eiskalte Luft in meine Lungen. Es ist viel zu lange her, dass ich mich auspowern konnte, dass ich Vollgas geben und die Welt um mich herum vergessen konnte. Lautlos erobere ich die Stadt, renne, springe über Mauern und Bäche, über Mülleimer und Parkbänke. Die Grenzen zwischen oben und unten verschwimmen, verlieren ihre Bedeutung. Bäume, Geländer und Absperrungen – nichts hält mich auf, nichts bremst den schier unbändigen Drang, mich zu bewegen. Die Straße wird zu meinem ganz persönlichen Spielplatz, dem Ort, an dem ich endlich den Kopf wieder freibekomme.
Nach den langen Monaten auf Tour und den darauffolgenden Promoterminen für unseren ersten Weihnachtssong, bin ich über ein paar Tage Auszeit im Schwarzwald froh. Als die anderen beschlossen haben, Weihnachten hier zu verbringen, musste ich nicht lange überlegen, und bin einfach mitgekommen. Da Becks noch immer in Japan ist, hätte mich in München nichts und niemand erwartet und im Bandhaus gibt es immer einen Platz für mich. Ich hänge ohnehin die meiste Zeit des Jahres mit meinen Bandkollegen zusammen, da kommt es auf ein paar Tage mehr auch nicht an.
Josh, Marc, Tom und Lucky sind mehr als normale Kollegen, mit denen man sich die Bühne und den Tourbus teilt. Sie sind meine Freunde. Und inzwischen zähle ich sie sogar zu meiner Familie. Meiner einzigen Familie, denn außer meinem Vater, mit dem ich kaum mehr Kontakt habe, ist niemand übrig.
Nach der anstrengenden Zeit in der Öffentlichkeit genieße ich die Abgeschiedenheit des Bandhauses. Mitten im Schwarzwald können wir ganz normale Menschen sein – etwas, das uns an vielen anderen Orten nicht mehr gelingt. Seit der US-Tour ist es schlimmer geworden, der Rummel um Josh und damit auch um alle in seinem Dunstkreis reißt nicht ab. Selbst Tom konnte seinen kurzen Urlaub am Meer kaum genießen, weil er und Malou ständig belagert wurden.
Aber hier, hier kann ich tun und lassen, was ich will. Zu jeder Tages- und Nachtzeit. Meistens bin ich im Wald und auf den nahegelegenen Bergen unterwegs. Ich mag die Natur, die Ursprünglichkeit fernab des Wahnsinns, der inzwischen zu unserem Alltag geworden ist. Ich genieße die Stille, sauge sie auf und spüre, wie ich Kraft tanke. Nur manchmal zieht es mich in die Stadt. Wie heute.
Ich halte inne, atme tief durch. Gönne mir einen kurzen Augenblick und lasse meinen Blick über die Freiburger Altstadt schweifen. Ich mag diesen Ort, der Neu und Alt perfekt vereint. Der zu dieser Stunde so friedlich und verschlafen wirkt, dass man meinen könnte, er bekäme von der Schnelllebigkeit der Welt nichts mit.
Die Häuser sind bereits für die nahenden Feiertage festlich geschmückt. Die engen Gassen mit unzähligen Lichterketten und Sternen erleuchtet. Weihnachten – kein Fest, das mir besonders am Herzen liegt. Wieso auch? Es ist das Fest der Liebe, das Fest der Familien. Nichts, wofür mein Herz schlägt.
Ein Schauder jagt durch meinen Körper. Unwillkürlich ziehe ich die Schultern hoch und hauche mir in die kalten Hände. Der Höllentäler genannte Wind aus den Bergen jagt seine eisige Luft in die Ebene. Es ist kalt geworden im Süden Deutschlands und mit etwas Glück wird es in diesem Jahr tatsächlich weiße Weihnachten geben. Die Straßen sind glatt und auf den Ästen und Zweigen der Bäume liegt noch ein vergessener Hauch Raureif.
Ich ziehe mir die Kapuze tiefer ins Gesicht und mache mich auf den Rückweg. Meine Route führt mich durch eins der ältesten Viertel der Universitätsstadt. Ich liebe die herrschaftlichen Altbauten – und noch mehr die verwilderten Hinterhöfe, die jede Menge Mauern, Kanten und andere Hindernisse bieten, um meinen Run durch die Stadt interessant und abwechslungsreich zu gestalten.
Mein Herz hämmert gegen die Brust, die Lungen brennen bei jedem Atemzug. Ich grinse breit, denn es tut gut, nach den letzten Monaten, die ich fast ausschließlich in Konzertlocations trainiert habe, endlich wieder an der frischen Luft dem Sport nachzugehen, der mich kickt wie kein anderer: Parkour.
Schneller, immer schneller werden meine Schritte, immer weiter meine Sprünge. Ich suche neue Wege, vergesse die Schwerkraft, klettere an Mauern hoch, drücke mich an Häuserwänden ab. Ein bisschen fühle ich mich wie Spiderman, der sich schwerelos durch die Häuserschluchten New Yorks bewegt.
Ich wage mich an einem Sideflip und lande geschmeidig auf einem schmalen Absatz, von dem aus ich eine Mauer hochspringe. Ich grinse breit, weil ich trotz der mangelnden Übung noch immer gut in Form zu sein scheine. Meine Bewegungen werden noch gewagter, das Tempo höher. Wieder setze ich zu einem Sprung an und nehme, noch bevor ich lande, wahr, dass ich mich verschätzt habe. Auf dem Mauervorsprung, der im Dunkeln liegt, befindet sich eine dicke Eisplatte. Weit und breit ist nichts, an dem ich mich abstützen und den Fall verhindern könnte.
»Whhaaa«, mache ich und schon liege ich im Schnee. Ein fieser Schmerz zieht sich von meinem linken Knöchel hoch und für einen kurzen Moment ringe ich nach Atem. Verdammt! Unwillkürlich greife ich an mein Bein, als könnte ich dadurch den Schmerz lindern. In diesem Moment geht das Außenlicht an. Auch das noch. Aber vielleicht habe ich Glück und das Licht wurde nur durch einen Bewegungsmelder angeknipst.
»Huch. Mit Schneeflocken habe ich ja gerechnet. Aber dass es hier in Freiburg auch Kerle vom Himmel schneit…« Ich hebe den Kopf und schaue in die belustigten Augen einer jungen Frau. Als erstes fallen mir ihre langen feuerroten Haare auf, die sie unter einer weißen Wollmütze offen trägt. Dann ihr breites Grinsen, das alles andere als schadenfroh aussieht. »Hast du dir wehgetan?«
Sie streckt mir ihre Hand entgegen, die in einem schwarzen Lederhandschuh steckt. Verwirrt greife ich zu und lasse mir aufhelfen.
Wieder durchzuckt mich dieser fiese Schmerz und ich verlagere mein Gewicht auf den rechten Fuß. Haltsuchend greife ich nach einem Pfosten, stütze mich daran ab und erinnere mich daran, zu atmen. Einatmen. Ausatmen.
»Brauchst du was? Cool Pack? Krankenwagen? Notarzt?«
Automatisch schüttle ich den Kopf und zücke schon mein Handy. So kann ich jedenfalls den langen Rückweg bis ins Bandhaus nicht antreten.
»Wo kommst du denn überhaupt her? Wohnst du hier im Haus?«
Redhead dreht sich um und deutet auf den Hintereingang des herrschaftlichen Altbaus.
Wieder schüttle ich den Kopf und beiße die Zähne zusammen, weil der Schmerz mich ganz kirre macht.
»Aber reden kannst du schon, oder?«
Ich hebe meinen Blick und schaue in das kesse Gesicht der Frau, die eingehüllt in einer dicken Winterjacke mit in die Hüften gestemmten Händen vor mir steht. Langsam scheint ihr mein plötzliches Auftauchen doch suspekt zu werden.
»Sorry, ich …« Ich mache einen Schritt auf sie zu und bereue es gleich wieder.
»Shit, du hast dir echt wehgetan.« Schon schlingt sie einen ihrer Arme um meine Hüfte und nickt in Richtung Hauswand, wo unter einem kleinen Vordach eine Holzbank steht. »Setz dich erst mal.«
Ich humple mit ihrer Hilfe zu der Bank und lasse mich ächzend darauf nieder.
»Danke«, murmle ich und lege mit zusammengebissenen Zähnen mein Bein hoch. Zögerlich schiebe ich meine Hose ein Stück hoch, um den Schaden zu begutachten. Ich brauche die Socke gar nicht herunterzustreifen, denn ich sehe auch so, dass sich bereits ein monströser Bluterguss ausbreitet und der Knöchel auf ungesunde Maße angeschwollen ist. Shit! Josh wird mich umbringen, wenn ich bis zum nächsten Konzert nicht wieder fit bin. Vom Management ganz zu schweigen.
»Uh, das sieht nicht gut aus. Vielleicht sollte sich das tatsächlich ein Arzt anschauen?«
Weiße Atemwolken steigen mit jedem ihrer Worte in den Nachthimmel. Ich starre auf ihren Mund und in dem Moment geht das Licht aus. Dunkelheit umhüllt uns. Ich räuspere mich, versuche, mich zu erinnern, was das Mädchen gerade gesagt hat. Arzt. Unwillkürlich schüttle ich den Kopf.
»Quatsch, ich pack da ein bisschen Eis drauf, lege den Fuß hoch und in ein paar Tagen ist alles wieder gut. Ist nicht die erste Verletzung, die ich mir zuziehe.«
»Was hast du denn überhaupt gemacht? Ich meine, hier in dem kleinen Hinterhof kann man sich ja kaum bewegen, um so übel umzuknicken. Und vielleicht habe ich mich ja geirrt. Aber bist du von der Mauer da geflogen?«
Schemenhaft sehe ich ihre Arme in die Richtung wedeln, in der sich die von Eis bedeckte Mauer befindet.
»Warte«, murmle ich. »Ich erklär dir gleich alles. Aber ich ruf schnell noch einen Freund an, dass er mich abholt, ja?«
Kurz überlege ich, wen ich am besten kontaktiere. Tom wird mit den Vorbereitungen für das Fest beschäftigt sein, Marc bei seiner Verwandtschaft abhängen und Lucky wird erst in ein paar Tagen zu uns ins Bandhaus stoßen. Bleibt nur Josh. Ausgerechnet!
Es dauert ein bisschen, bis er rangeht.
»Hey, Nik, alles klar? Wo steckst du?«
»Mhm, ich hänge irgendwo in der Wiehre fest und … na ja, kannst du mich vielleicht abholen?« Ich hasse es, Josh um diesen Gefallen bitten zu müssen. Wir alle genießen es, uns treiben zu lassen. Auch Josh. Er braucht seine Ruhe, seinen Freiraum, um zu sich zu kommen.
»Klar.« Ich höre, wie etwas im Hintergrund raschelt. »Ist wirklich alles okay? Ich hatte dir ja vorhin schon gesagt, dass es bei dem Wetter-«
»Wann kannst du da sein?«, unterbreche ich seine Vorwürfe. Ich weiß ja selbst, dass es Scheiße ist, sich ausgerechnet jetzt zu verletzen. Aber in ein paar Tagen bin ich wieder der Alte. Und letztlich werde nicht ich vor den Traualtar schreiten und den Hochzeitswalzer wird Tom voraussichtlich auch nicht an mich abtreten. Also: Alles halb so wild.
Josh seufzt. Er kennt das Spiel schon. Schließlich ist es nicht das erste Mal, dass ich mich bei einem Run verletze und mich einer aus der Band anschließend einsammeln muss.
»Schick mir deinen Standort durch, ja? Ich fahr gleich los.«
»Okay.« Zerknirscht lege ich auf, schicke Josh noch meine Koordinaten und stecke dann das Handy wieder in die Tasche meiner Jogpants.
»Kann ich hier warten, bis mein Taxi kommt?« Ich versuche mich an einem Lächeln. Langsam gewöhnt sich mein Körper an den Schmerz.
»Klar«, sagt das Mädchen, geht zu den Fahrrädern gegenüber und kratzt den Schnee auf den Sätteln zusammen. »Hier, du solltest das kühlen.«
»Danke.« Ich schiebe die Socke runter und presse die Zähne aufeinander, als ich das Eis auf meiner kalten Haut spüre, aber fast augenblicklich wird auch der Schmerz dumpfer.
»Also. Du wolltest mir sagen, welch göttliche Fügung dich mir vor die Füße geworfen hat.«
Sie setzt sich neben mich, zieht ihre Knie an und schlingt die Arme um ihre Beine. Den Kopf legt sie auf ihren Knien ab und schaut mich erwartungsvoll an. Ihre Augen schimmern im Mondlicht, nur die Farbe kann ich nicht eindeutig erkennen. Grün vielleicht. Oder grau. Jedenfalls gefällt mir das, was ich sehe.
Ich ziehe einen Mundwinkel hoch und lasse meinen Kopf gegen die Mauer sinken.
»Ach, ich hab’s verkackt. Bin etwas aus der Übung und habe das Eis auf der Mauer unterschätzt«, gebe ich zu.
»Mauer … Aber die ist sicher zwei Meter hoch oder mehr.«
Mein Grinsen wird breiter.
»Ja, das war cool.«
»Äh, was? Bist du vielleicht im Nachbarhaus eingebrochen und ich sollte besser die Polizei rufen?«
Erst da erinnere ich mich, dass es für das Mädchen seltsam sein muss, dass jemand um diese Tages- oder besser gesagt Nachtzeit bei der Witterung auf Mauern herumturnt.
»Was? Quatsch. Ich … na ja, ich mach Parkour und habe mir eine Route durch die Hinterhöfe gesucht. Ganz legal ist das vielleicht nicht. Aber weit entfernt von einem Einbruch.«
Die Rothaarige mustert mich, kneift die Augen zusammen, legt den Kopf schief. Schließlich grinst sie.
»Parkour?« Ich nicke. »Gefällt mir besser als ein Einbrecher.«
Ich atme erleichtert aus.
»Erzähl, was machst du sonst so, wenn du nicht gerade in wildfremden Gärten herumturnst und dich verletzt.«
Gespielt entrüstet schnaube ich aus. »So oft verletze ich mich gar nicht. Ich bin …« Kurz halte ich inne. Es ist lange her, dass mich jemand nach meinem Beruf gefragt hat. »Ich bin Musiker.«
Neugierig beobachte ich ihre Reaktion, aber sie scheint nicht sonderlich überrascht zu sein.
»Welches Instrument?«
»Dies und jenes«, überlege ich laut. »Meistens Gitarre, aber ich spiele einige Instrumente. Saxophon, Querflöte, Klavier … Aber auch nicht so alltägliches Zeugs.« Ich langweile Fremde nicht gerne mit meinem Faible für Musik. Wahrscheinlich könnte ich noch nicht einmal genau sagen, wie viele Instrumente ich tatsächlich spielen kann. Mehr als ich besitze – das ist klar. Aber das liegt nur daran, dass ich nicht so gerne Kram anhäufe.
»Spannend.«
»Und du? Was machst du so?«, beeile ich mich zu fragen, bevor sie mich weiter aushorchen kann.
»Ich studiere.«
»Aha. Und was?«
»Schauspiel.«
»Hier in Freiburg?«
Sie lächelt sanft. »Nein, in Berlin. Ich bin hier nur zu Besuch bei meiner Mama. Sie hat einen neuen Freund und den wollte ich endlich mal unter die Lupe nehmen.« Sie wackelt lustig mit den Augenbrauen. »Und außerdem liebe ich die heimelige Weihnachtsatmosphäre in kleineren Städten. Schade, dass du gerade schlecht zu Fuß bist. Ich wollte noch eine Runde durch die Altstadt drehen und über den Weihnachtsmarkt schlendern. Sonst hättest du mitkommen können.«
Hilflos zucke ich mit den Schultern. Selbst wenn ich gewollt hätte – mit dem Knöchel ist das erst einmal ein Ding der Unmöglichkeit.
»Sorry, mein Timing war noch nie gut.« Wie aufs Stichwort klingelt mein Handy. Josh. »Hey.«
»Ich bin da. Wo steckst du?« Auf der Straße ist bereits das Röhren des Sechszylinders zu vernehmen. Warum ist Josh mit Toms nigelnagelneuem BMW X7 unterwegs? Unwillkürlich verdrehe ich die Augen. Wahrscheinlich würde es Joshs alter VW Bus nicht mehr die schneebedeckte Straße zum Bandhaus hochschaffen, beantworte ich mir selbst meine Frage.
»Komme.« Ich wende mich dem Rotschopf zu. »Danke, dass du mit mir gewartet hast. Ich hoffe, du hast jetzt keinen Schock fürs Leben.« Sie schaut mich fragend an. »Na, Einbrecher und so.«
Ein leises Kichern ertönt aus ihren weich geschwungenen Lippen. Echt sweet.
»Also …« Ich presse den Mund fest zusammen und stelle den Fuß auf den Boden. Shit! Da hat es mich echt blöd erwischt. Vielleicht haben die Bänder etwas abbekommen. Oder es ist doch nur eine simple Verstauchung. Tut ja auch verdammt weh, wie ich aus Erfahrung weiß.
»Warte, ich helfe dir.« Schon schlingt das Mädchen wieder ihre Arme um meine Mitte. Ich verkneife es mir, ihr zu sagen, dass sie mit ihrer zierlichen Figur ganz sicher keine große Hilfe ist. Aber es ist süß, dass sie mir helfen möchte. Also stütze ich mich an ihr ab und humple im Schneckentempo aus dem Hinterhof auf die Straße.
»Oh, nobel!«, entfährt es dem Mädchen.
»Gehört einem Freund.« Es klingt wie eine Entschuldigung. Ist es auch, denn es ist mir immer peinlich, wenn einer meiner Bandkollegen mit unserem Ruhm oder Geld hausieren geht. Ich selbst mache mir aus beidem nichts. Ich will Musik machen. Alles andere ist mir egal.
»Nobler Freund«, neckt sie mich weiter und reißt schon die Beifahrertür auf, bevor ich reagieren kann.
»Hey, ich hätte da-« schon erstirbt der muntere Redefluss des Mädchens. Verwirrt dreht sie den Kopf zu mir und schaut mich an.
»Äh, da drin sitzt Josh Meyer!« Als könnte sie ihren Augen nicht trauen, schaut sie noch einmal ins Wageninnere.
»Jap.« unschlüssig ziehe ich die Schultern hoch und habe keine Ahnung, was ich sagen soll. »Ein Freund.«
»Berühmter Freund.« Sie löst den Blick von Josh und wendet sich wieder mir zu. Als wüsste sie selbst nicht, wie sie reagieren soll, zieht sie einen Mundwinkel hoch, was ihrem Gesicht einen putzigen Ausdruck verleiht. Langsam scheint sie sich von dem Schock zu erholen, dass in der Nobelkarosse der Leadsänger der international angesagten Band Amblish sitzt. Ich lache leise.
»Guter Freund. Also, danke nochmal!« Etwas umständlich steige ich in den Wagen ein und gebe darauf Acht, meinen linken Fuß dabei nicht zu belasten. Gar nicht so einfach. Ein weiteres Mal verfluche ich Tom, dass er sich ausgerechnet einen hochgebockten SUV gekauft hat. Ein unauffälligeres Modell hätte es doch auch getan.
Als ich endlich sitze und mich angeschnallt habe, knalle ich die Tür zu und Josh fährt nach einem knappen Hallo los.
»Warte mal.« Er legt eine filmreife Vollbremsung hin und ich öffne noch einmal die Beifahrertür. Das Mädchen steht wie angewurzelt auf der Straße, schaut dem Wagen mit offenem Mund nach und scheint unschlüssig, ob sie gerade träumt. »Hey«, rufe ich ihr nach. »Verrätst du mir deinen Namen?«
Ihre weiße Mütze lässt die feuerroten Haare leuchten. Ein breites Grinsen legt sich auf ihre Lippen, als hätte sie nur auf diese Frage gewartet.
»Yara. Ich heiße Yara.«
Mit diesen Worten dreht sie sich um und läuft davon. Ich lasse mich wieder in den Sitz sinken, schließe die Tür und nehme nur noch wie betäubt wahr, wie Josh davonbraust.

 

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